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Bachrenaturierung Spangdahlem

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie gibt genaue Vorgaben für die Oberflächengewässer, die in einen möglichst naturnahen Zustand bis 2027 versetzt werden müssen. Am Spanger- und Dahlemer Bach ist nun das letzte Teilstück der Renaturierung abgeschlossen worden. Umweltministerin Höfken konnte sich bei der Einweihung am 28.05.2018 vom Erfolg der Maßnahme selbst überzeugen. Rund 786.000 Euro wurden vom Land Rheinland-Pfalz in die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit investiert, davon muss die Verbandsgemeinde zehn Prozent tragen.

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Zum Abschluss des Projekts kam Umweltministerin Ulrike Höfken nach Spangdahlem. Zusammen mit dem Kreisfischerei-Beauftragten Herbert Schneider gab Sie einigen Fischen ein neues Zuhause (Foto: IBR)

Besser hätte man den Termin für die offizielle Einweihung des Projektes nicht wählen können. Bei strahlendem Sonnenschein kamen am 28.05.2018 nicht nur Umweltministerin Höfken, sondern auch zahlreiche Ehrengäste sowie Bürgerinnen und Bürger zur Scheuermühle nach Spangdahlem. Die positive Entwicklung der Natur - nicht nur für das Gewässer - war an diesem Tag überall zu erkennen. Höfken ließ sich während eines Rundganges die durchgeführten Bauarbeiten von Bauleiter Stefan Kaspari, vom Ingenieurbüro Reihsner in Wittlich, erklären. In den angrenzenden Auewiesen waren Schmetterlinge zu sehen, am Bachufer flogen Libellen über das Wasser und sogar Kröten waren zu hören. „Das ist ein guter Tag für die Umwelt“, fasste Ortsbürgermeister Klaus Rodens begeistert zusammen.

Doch das war nicht immer so. „Der Dahlemer Bach war durch Kalksandsteine eingeengt und konnte sich nicht weiterentwickeln. Und der Spanger Bach hatte sich mit der Zeit immer tiefer in sein Flussbett gegraben, so dass bei starkem Regen Hochwassergefahr bestand“, sagte Klaus Rodens.

Hilfe fand man hier in der seit 1995 vom Land Rheinland-Pfalz unterstützten Aktion Blau Plus, Renaturierungen von Flüssen. Und so kam 2015 auch die Verbandsgemeinde Speicher in den Genuss einer Förderung. 90 Prozent der Kosten hatte das Land für die Renaturierung der beiden Flüsse gezahlt. Die restlichen zehn Prozent übernahm die VG.

Auf insgesamt 1,4 Kilometern, beziehungsweise 600 Metern Länge, verlaufen der Spanger Bach und der Dahlemer Bach nun wieder in natürlichem Zustand. Dafür wurde die Bachsohle angehoben, artfremdes Gehölz wurde entfernt und stattdessen auetypische Pflanzen gesetzt. Die neu hinzugewonnenen Gewässerrandstreifen wurden durch Eichenpoller abgegrenzt, so dass dort zukünftig eine intensive landwirtschaftliche Nutzung bis an den Gewässerrand verhindert wird. So können sich die Gewässer innerhalb dieser Gewässerrandstreifen natürlich weiter entwickeln.

Doch nicht nur die Natur profitiert von der Beseitigung alter Bausünden. „Das Thema Hochwasser hat einen großen Zusammenhang mit der Renaturierung. Man kann es nicht verhindern, aber die Situation verbessern“, sagt Ulrike Höfken. Durch die Anhebung der Bachsohle und der Ausweisung von Gewässerrandstreifen kann der Bach bei Hochwasser früher ausufern, ohne dabei Schäden an Infrastrukturen zu verursachen. Der Rückhalt in der Aue führt auch zu niedrigeren Fließgeschwindigkeiten im Gewässer bei Hochwasser. Hohe Fließgeschwindigkeiten sind bei Hochwasser häufig die Ursache für gravierende Schäden. Dieses Gefahrenpotential kann durch den neu geschaffenen Retentionsraum verringert werden.

Die Auswirkungen konnten bereits – allerdings ungewollt - während der Baumaßnahme festgestellt werden. Noch vor Fertigstellung des Gesamtprojektes gab es in der VG Speicher zwei extreme Starkregenereignisse, welche zu schweren Überflutungen des gesamten Baubereiches führten.

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Hochwasserereignis am 10.07.2017 (Foto: IBR)

Zu diesem Zeitpunkt waren die Renaturierungsarbeiten im Oberlauf des Spanger Baches zwar bereits abgeschlossen, aber aufgrund fehlender Vegetation in den Uferbereichen war hier die erforderliche Stabilität dieser Bereiche noch nicht vollständig erreicht. Aus diesem Grund kam es teilweise zu starken Erosionen an Bachsohle und Ufern. Zudem wurden neu gesetzte Pflanzen weggespült und Rohrleitungen frei gespült.

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Frei gespülte Rohrleitung nach Hochwasserereignis am 10.07.2017 (Foto: IBR)

Die entstandenen Schäden wurden durch die ausführende Baufirma Wey sofort beseitigt.

Bei der Renaturierung der Gewässer wird nicht nur was für Tiere und Artenschutz gemacht, sondern auch der Mensch hat etwas davon, denn Gewässer sind wichtige Erlebnisorte. Darum wurde das Förderprogramm „Aktion Blau“ des Landes Rheinland-Pfalz im Jahr 2011 um verschiedene „Plus“-Punkte erweitert. Mit der „Aktion Blau Plus“ wird insbesondere die Bürgerbeteiligung und die Einbeziehung von Schulen und Kindergärten bei Gewässerprojekten gefördert. So lernen auch die Kinder die Kleinstlebewesen im Gewässer kennen und erfahren, wie wichtig natürliche Lebensraumbedingungen für die Gewässertiere und für die Menschen sind. Dabei spielt der Zugang zum Gewässer natürlich auch eine entscheidende Rolle.

An der Scheuermühle in Spangdahlem wurden solche Zugangsmöglichkeiten geschaffen. Unter anderem führt ein Wander- und Spazierweg entlang des Gewässers. An der Fußgängerbrücke wurde eine Infotafel mit den wichtigsten Informationen rund um das Projekt aufgestellt. Auch das ist Teil der Bürgerbeteiligung. 

Seit Einführung der großzügigen Förderung durch das Land, wurden mehr als 1500 Gewässerrenaturierungen in Rheinland-Pfalz umgesetzt oder werden zur Zeit umgesetzt. 30 Prozent der Gewässer sind schon in einem guten Zustand, „die anderen 70 Prozent wollen wir auch noch schaffen“, so Höfken.

Für Landrat Joachim Streit ist das Geld gut angelegt: „Wenn Hochwasserschutz am Oberlauf beginnt, sind 700 000 Euro nicht zu viel Geld.“

Manfred Rodens, Bürgermeister der VG Speicher, empfiehlt die schönen Wanderwege rund um Spangdahlem abzugehen: „Mir sind Schmetterlinge und Libellen ins Auge gefallen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe.“ Außerdem sei er stolz darauf, dass sowohl der VG-Rat als auch der OG-Rat für das Projekt gestimmt haben.

Was ihm aber ganz besonders gut gefällt ist, dass statt der kalkulierten Kosten von 817 000 Euro nur 786 000 Euro abgerechnet wurden. Auch das sei ein Zeichen des guten Miteinanders aller Beteiligten.

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Spanger Bach nach Fertigstellung, Foto:IBR

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Spanger Bach nach Fertigstellung, Foto:IBR

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Spanger Bach nach Fertigstellung, Foto:IBR

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 Spanger Bach nach Fertigstellung, Foto:IBR