Bachrenaturierung Spangdahlem

Am 18.02.2016 erfolgte die Submission der öffentlichen Ausschreibung zur Renaturierung "Spanger Bach und Dahlemer Bach“ im Bereich der Ortslage Spangdahlem. Nach Prüfung der Angebote  und Durchführung der entsprechenden  Beschlussfassun- gen wurde die Fa. Wey, Rivenich mit den Arbeiten beauftragt.
Bedingt durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse in der ersten Jahreshälfte verzögerte sich der Baubeginn um fast drei Monate. Der Spatenstich erfolgte am 04.07.2016.

 

Im Vorfeld der eigentlichen Erdarbeiten ist es erforderlich, das vorhandene Gewässer entsprechend dem Genehmigungsbe-scheid der Fachbehörde zu Befischen.
Ziel ist es, den Renaturierungsbereich vom Fischbestand zu befreien um die Lebewesen entsprechend zu schützen.

Diese Aufgabe erledigte Hr. Kreisfischereiberater Herbert Schneider aus Metterich. Hr. Schneider wendete hierfür das „Elektrofischverfahren“ an.
Der erste Befischungsabschnitt erstreckte sich über ca. 400,00 m, beginnend ab der Einmündung „Katzenbach“ bis Höhe Ein- mündung Dahlemer Bach.

Nachfolgend  Auszug der Protokollierung von Hr. Schneider.

Das Gewässer gehört zur oberen Forellenregion und fließt bei Philippsheim in die Kyll.
Der Abschnitt in Höhe der Scheuermühle ist stark bewachsen, hält aber eine relativ gute Wasserqualität vor. Es wurde eine gut strukturierte Population der Bachforelle (82 Individuen)  und als Kleinfische Schmerlen (~ 100 Individuen)  vorgefunden. Die großen Farios, Länge 1 x 50 cm u. mehrere 40 cm langen Exemplare waren erst kürzlich aus dem unteren Bachlauf bzw. aus der Kyll in den Abschnitt aufgestiegen. Laichzeit ca. Mitte-Ende Dezember. Nach dem Bau der Sohlrampe, Höhe Ortskläranlage (Nov.Dez. 2015) können nunmehr bei günstigen Wasserständen vermehrt Laichfische in den Oberlauf aufsteigen.

Elektrobefischung

Elektrobefischung1

 

Umsetzung Landespflegegesetz

Des Weiteren erfolgte im Vorfeld eine  Begehung von Fr. Kristine Mayer vom Büro högner landschaftsarchitektur  zur Sicherstellung der Auflagen gem. Landespflegegesetz.

Nachfolgend Auszug des Protokolls vom 01.06.2016

Nr.

Ergebnis

zuständig

1.

Gelegekontrolle:

Der Spangerbach wurde ab Durchlass / Brücke K 91 bis zur Mün­dung des Katzenbachs begangen. Die Uferbereiche, alle einsehba­ren Baumhöhlen und Ausfaulungen an Gehölzen und die Durchläs­se sowie die möglichen Baustellenzufahrten wurden auf Gelege kontrolliert:

Es wurden keine Nester oder Gelege, auch keine subadulten / nichtflüggen Jungvögel gesichtet.

-/-

2.

Vorkommen der Erdkröte:

[0+225] In Flachwasserbereichen in Höhe der Fußgängerbrücke "De Schapp" kommen Kaulquappen der Erdkröte (besonders ge­schützt) vor. Der Bereich ist bis Mitte Juni 2016 zu schonen. Ein Abstecken der betroffenen Uferbereiche wird nach Rücksprache mit Herrn Ehlen / Fa. Wey zu Beginn der Baumaßnahme vorge­nommen (Pflöcke, Flatterband). Da sich der Baubeginn wegen der anhaltenden Regenfälle verzögert (telef. Auskunft Herr Ehlen / Fa. Wey 02.06.2016) wird der Bereich voraussichtlich ohnehin nicht vor Mitte Juni 2016 bearbeitet. Oberhalb dieser Stelle (begonnen wird mit der Herrichtung einer Referenzstrecke 0+000 bis 0+100) sind derzeit keine Flachwasserzonen ausgebildet (keine Kaulquappen- Sichtungen).

Fa. Wey/ Fr. Mayer

3.

Vorkommen der Sumpf-Schwertlilie:

[ca. 0+225, 0+275 bis 0+300, ca. 0+350] Vorkommen der Sumpf- Schwertlilie (besonders geschützt); Vorkommen sind Rhizom­schonend zu entnehmen, fachgerecht zwischenzulagern und bei Herrichten des Gewässerbettes wieder einzubauen. Eine Markie­rung der betroffenen Uferbereiche wird nach Rücksprache mit Herrn Ehlen / Fa. Wey zu Beginn der Baumaßnahme vorgenom­men (Pflöcke, Flatterband).

Fa. Wey/ Fr. Mayer

4.

Weitere Individuen besonders oder streng geschützter Arten wurden nicht angetroffen; auch nicht auf der gekiesten Lagerflä­che oder der Aufschüttungsfläche. Hier wurden größere Steine gewendet, um gegebenenfalls Tagesverstecke von Amphibien oder Reptilien entdecken zu können. Derzeit stehen verdichtete Berei­che dort unter Wasser (temporär, kein Laich, keine Kaulquappen).

-/-

5.

Weiterer Gehölzrückschnitt

An manchen Stellen, zum Beispiel in Höhe Station 0+425 bis 0+450, befindet sich noch viel Astwerk im Bereich des Gewässer­bettes und es grenzen Gehölze / Gebüsche (vor allem rechtsseitig) an. Bei erforderlichem Rückschnitt ist zuvor unbedingt eine Ge­legekontrolle erforderlich.

Fa. Wey/ Fr. Mayer

6.

Baumschutz

Bei Zufahrt über den asphaltierten Wirtschaftsweg zwischen Dah­lemerbach und Katzenbach sind vor allem die im Bereich der Bö­schungen dicht am Wirtschaftsweg stehenden Feldahorn-Bäume zu beachten und gegebenenfalls gehen Anfahren zu schützen. Auf die DIN 18920 und ergänzend die RAS-LP4 wird verwiesen. Auf den Gehölzschutz am Gewässer wurde bereits hingewiesen (siehe AV IB Reihsner vom 31.05.2016).

Fa. Wey

7.

Sonstige Hinweise

  • Vereinzelt kommt der Riesen-Bärenklau am Gewässerrand vor (Achtung: giftig bei Sonneneinstrahlung). Wo möglich, sollen Exemplare der Pflanze entfernt und fachgerecht entsorgt wer­den. Hinweise zur Bekämpfung und für den Umgang gibt zum Beispiel die Forstverwaltung Rheinland-Pfalz: http://www.wald-rlp.de/service/aktuelles/einzelnachricht/archive/2010/April/article/herkulesstauden-bekaempfen.html.

  • Es wurden Zugänge zu Bauten der Wanderratte / Wasserratte am Gewässerrand gesichtet. Es kann also sein, dass Tiere beim Baubetrieb in Erscheinung treten. § 4 Tierschutzgesetz (TierSchG) ist zu berücksichtigen (§ 4 (1) TierSchG: "Ein Wir­beltier darf nur (...) unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung eines Wirbeltieres (...) zulässig oder er­folgt sie im Rahmen zulässiger Schädlingsbekämpfungsmaß­nahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.").

Fa. Wey

 

Erdarbeiten

Die eigentlichen Renaturierungsarbeiten sind von Stat.0+ 0,000 (Einm. Katzenbach) bis 0+ 400,00 (Einm. Dahlemer Bach) fast abgeschlossen. Dieser Ausbauabschnitt entspricht ca. 25 % der Gesamtmaßnahme.

Aktueller Bearbeitungsstand:

Bearbeitungsstandakutell 1

Bearbeitungsstandakutell 2

Bearbeitungsstandakutell 3

Bearbeitungsstandakutell 4

 

Das „Eisvogel-Pärchen“

Im Zuge einer weiteren Ortsbesichtigung wurde von  Fr. Mayer festgestellt, dass  im gepl. Ausbaubereich ein Eisvogel- Pärchen brütet. Da es sich um eine besonders geschützte Vogelart handelt, wurde dieser Renaturierungsabschnitt für weitere Arbeiten vorübergehend gesperrt

Spanger Bach

Nach Freigabe des gesperrten Baufeldes, durch Fr. Mayer -högner landschaftsarchitektur- (Tabuzone Brutzeit Eisvogel), konnten die Erdarbeiten am Spanger Bach, Stat. 0+400 bis zum Ausbauende, Stat. 1+441 m, wieder in vollem Umfang aufgenommen werden. Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, ins besonders auch der Grundstückseigentümer der angrenzenden Privatflächen, schritten die Erdarbeiten zügig voran.

Die nachfolgende Bilddokumentation zeigt die umfangreichen Renaturierungsarbeiten.

Stat. 0+580,00

Fertiggestelltes Bachbett unterhalb der Kreisstraße 91
Die vorh. Bepflanzung wurde mit einbezogen bzw. innerhalb des Baufeldes umgesetzt.

Bild 1 Station 0580

Stat. 0+ 650,00

Die Aufnahme zeigt den geschützten Uferbereich, Steilufer, der Eisvögel.
Diese Bereiche wurden baulich nicht tangiert, um den natürlichen Lebensraum zu erhalten.

Bild 2.1 Station 0650

Bild 2.2 Station 0650

Stat. 0+870,00

Neuprofilierung des Bachbettes mit deutlicher Erhöhung des Abflussquerschnittes.
Im Hintergrund ist eine vorh. Fußgängerbrücke zu erkennen, welche im Rahmen der Maßnahme erneuert wird.

Bild 3 Station 0870

Stat. 1+215,00

Auch hier wird eine marode Fußgängerbrücke gegen eine moderne Brücke ersetzt.

Bild 4 Station 1215

 

Dahlemer Bach

Zwischenzeitlich sind auch die Erdarbeiten „Dahlemer Bach“ in vollem Gange.
Die Aufnahme zeigt den oberen Ausbaubereich ab Stat. 0+220 m.
Auch hier gilt einen besonderen Dank den  Eigentümern bzw. Pächtern der angrenzenden Grundstücke für die freundliche Unterstützung.

Stat. 0+220,00

Voraushub des neuen Bachbettes mit möglichen Überflutungsbereichen

Bild 5 Station 0220

 

Impressionen

Herbst 2016

Bild 6 Herbst 2016

Winter 2017

Bild 7.1 Winter 2017

Bild 7.2 Winter 2017

 

Vorausblick 2017

Bepflanzungsarbeiten

Die Vergabe der Bepflanzungsarbeiten, welche in einem öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben wurden, ist zwischenzeitlich erfolgt. Mindestbieter ist die Fa. Naturbau- Siebengebirge, 53572 Unkel, welche bereits mit Rückschnittarbeiten begonnen hat. Die eigentlichen Bepflanzung- u. Einsaatarbeiten können jedoch erst bei geeigneter Witterung erfolgen.

 

Fertigstellung

Die Fertigstellung des Renaturierungsprojektes erfolgt im Frühjahr 2017